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Geschichte - 10 Haupt- und 18 Nebenlager

Im April 1944 kommen die ersten Zwangsarbeiter, Italiener, in Kahla an. Die Unterbringung der tĂ€glich eintreffenden vielen tausend Zwangsarbeiter war jedoch nicht erste PrioritĂ€t der "REIMAHG" Leitung. So wurden sie anfangs provisorisch in SĂ€len der umliegenden Gasthöfe oder leer stehenden großen GebĂ€uden untergebracht.


Die Lager wurden dann nach und nach von Arbeitskolonnen, den so genannten Lagerkolonnen aufgebaut. Als Bausystem konstruiert waren die Holzbaracken in allen Lagern gleich und nach einer einheitlich vorgeschriebenen Lagerstruktur platziert.

Jedem Lager stand ein LagerfĂŒhrer vor, der uneingeschrĂ€nkte Macht auf die Lagerinsassen besaß. Ihm oblag auch die KlĂ€rung von Problemen zwischen den Lagerinsassen.

Das tÀgliche Leben in den Lagern war von entscheidendem Einfluss auf die physische wie psychische Verfassung der Zwangsarbeiter.

Zu einem langen Arbeitstag bei tĂ€glich schwerer körperlicher Arbeit, langen FußmĂ€rschen zur Arbeit und zurĂŒck in die Lager mit ausgedehnten Morgen- und Abendappell, kam noch langes Anstehen fĂŒr ein karges Essen das nicht selten von SchlĂ€gen durch die LagerfĂŒhrung begleitet war. Danach blieb fĂŒr persönliche Hygiene und Freizeit kaum Zeit. Zu diesem tĂ€glichen schweren Lebenskampf kam noch der harte Winter 1944/45. Konnte man die Toten anfangs noch in EinzelgrĂ€bern bestatten, beerdigte man bereits ab Herbst 1944 die vielen Toten in MassengrĂ€bern.

Zwei der "REIMAHG" Lager waren so genannte Straflager.
Das "Lager O" befand sich auf der SĂŒdseite im Dehnatal, oberhalb der DehnamĂŒhle. SpĂ€ter wurde es in einen Zweigstollen des Walpersberges verlegt.
Das andere Lager, am Nordhang des Walpersberges, befand sich in NĂ€he des Lagers Bibra und war vor allem fĂŒr Ostarbeiter gedacht.

Vor allem Zwangsarbeiter, die angeblich nicht "genug" arbeiteten, wurden bei halber Essensration zu besonders schwerer Arbeit, öfters zu mehreren Schichten hintereinander, eingesetzt. Sehr wenige von ihnen haben das ĂŒberlebt.

Hat man ab April 1944 die aus allen LĂ€ndern Europas eintreffenden Menschen wahllos in den langsam entstehenden Lagern untergebracht. Begann erst Anfang 1945 die "REIMAHG" Leitung die Lager nach NationalitĂ€ten zu ordnen. Diese Umstrukturierung bedeutete fĂŒr einzelne Zwangsarbeiter den Wechsel durch mehrere Lager.

Lager "E" bei Eichenberg im Dehnatal sollte nach Aussagen ehemaliger belgischer Zwangsarbeiter ein so genanntes "Arbeitserziehungslager" sein. Das konnte bisher durch entsprechende Dokumente noch nicht bestÀtigt werden. Eindeutig klar ist jedoch, dass auf mehreren Dokumenten dieser Zwangsarbeiter das Wort "Arbeitserziehungslager" stand.


Zeichnung Lager E


In fast allen Lagern der "REIMAHG" herrschten schlimme hygienische, medizinische und VerpflegungszustÀnde.
Bis Kriegsende verschlechterten sich diese UmstÀnde so schnell, das die Krankenreviere in den einzelnen Lagern nicht einmal mehr die notwendige medizinische Betreuung gewÀhrleisten konnten.
Die "REIMAHG" Leitung entschied, im ehemaligen Jagdschloss in Hummelshain ein Betriebskrankenhaus einzurichten.

Die meisten "REIMAHG" Lager befanden sich im Leubengrund, Lager 4, 5, 6 und 7. Die Zahl der Insassen dĂŒrfte hier bei ca. 4000 - 5000 Menschen liegen.

Lager 4 - belegt mit freiwilligen auslÀndischen Arbeiter.

In Lager 5, 6 und 7 waren nur Zwangsarbeiter untergebracht.
Bei Kriegsende spielte Lager 7 eine traurige Rolle, hier wurden die Sterbenden, Kranken und Schwachen die durch die SS nicht zwangsevakuiert werden konnten, zusammengepfercht und ihrem Schicksal ĂŒberlassen.


Alte Porzellanfabrik Kleindembach (links), Gedenkstein Lager 2 (oben), KĂŒche Lager 3 (unten)

FĂŒr die Hitlerjugend, dem Bund Deutscher MĂ€dchen und die deutsche Belegschaft wurden Lager im Zwabitz-, Gumperda- und Schindlertal mit Steinbauten errichtet. Wie die Zwangsarbeiterlager waren auch diese bis Kriegsende noch nicht fertig gestellt, sodass die Lebensbedingungen dementsprechend waren.


Blick auf das Lager im Zwabitztal (links), Luftaufnahme Lager Schindlertal (rechts)